Fritz hat schon vieles erlebt: Drogensucht, Gefängnisaufenthalte, Unfälle, Krebs und Obdachlosigkeit. Er wollte sich gar das Leben nehmen. Eine Begegnung änderte alles. Heute lebte er, durchaus zuversichtlich, in einer WG des Sozialwerks von Pfarrer Sieber.

Ich weiss nicht, warum in meinem Leben alles so gekommen ist, wie es eben kam. Sicher hat meine Hasenscharte, mit der ich zur Welt kam, vieles vorgespurt. Sie prägte meine Kindheit im Zürcher Oberland mehr, als mir heute lieb ist. Ich wurde gehänselt und ausgelacht.

 

Kampf gegen die innere Dunkelheit

Es tat mir weh, mich im Spiegel anzuschauen und die entstellte Mundpartie mit der überbreiten Nase zu sehen. Eine Operation war erst möglich, wenn ich ausgewachsen war und eine OP keine negativen Folgen auf meine Entwicklung hatte. Ich wurde zunehmend unsicher und schliesslich depressiv, obwohl meine Eltern immer zu mir hielten und mich ermutigten. Aber es half nichts. Ich verlor meinen Lebensmut. 
Mit 18 wollte ich mir das Leben nehmen. Einer der wenigen Freunde, die ich hatte, wollte mich davon abbringen. Er riet mir, Kokain zu probieren. «Das gibt dir ein positives Lebensgefühl», versprach er mir. Da mir eh alles egal war, probierte ich es. Das Gefühl war unglaublich, doch ich wurde rasch abhängig.

 

Der lange Weg durch Abgründe zu neuer Hoffnung

Als ich meine Hasenscharte mit 20 endlich wegoperieren lassen konnte, hatten mich die Drogen fest im Griff. Die Jahre darauf waren geprägt von Drogenräuschen, knapper Kasse, kriminellen Geldbeschaffungen, unter anderem einem Überfall auf eine Poststelle, Reisen, Kurierdiensten, Verhaftungen und Gefängnisaufenthalten. 1988 wurde ich in Frankreich verhaftet und kam für vier Jahre hinter Gitter – ein Lothringer Gefängnis mit 800 Mithäftlingen. Ich konnte mich behaupten, obschon ich anfänglich kaum Französisch sprach. 1989 wurde ich wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Leider vermochte ich diese Chance nicht zu nutzen und es folgten weitere turbulente Jahre. 
In den 90er-Jahren kam ich sporadisch bei Freundinnen oder Kumpels unter. Meist war ich aber obdachlos. Das setzte mir erneut zu, bis ich eines Tages nur noch den Suizid als Ausweg sah. An dem Tag, als ich mich mit meinem letzten Bier und einer Hosentasche voller Medikamente auf eine Sitzbank am Limmatplatz setzte, passierte etwas Unglaubliches: Eine hübsche Frau sprach mich an und fragte nach etwas Kleingeld. Ich gab ihr alles, was ich hatte. Diese Begegnung liess mich die schönen Seiten des Lebens sehen und blies meine Selbstmordgedanken weg. Ich wollte wieder leben! Die Drogen sollten mein Leben nicht mehr länger dominieren und ich schaffte, was mir zuvor nie gelungen war – ich kam von allen harten Drogen los!

 

Neubeginn dank Gemeinschaft und Glauben

Auf Umwegen kam ich vor gut einem Jahr zum Sozialwerk Pfarrer Sieber, wo ich ein Zimmer in einer WG erhalten habe. Hier gefällt es mir und ich fühle mich wohl. Kochen, putzen und mich mit drei Mitbewohnern zusammenleben, hat seine Herausforderungen. Aber wir kommen klar. Besonders gut tun mir die wöchentlichen Andachten und das Malen im Kunstatelier. Über das Malen habe ich einen neuen Zugang zu mir gefunden. Das beflügelt mich und gibt mir Lebensmut.
 

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